Leben mit dem Tremor
Tremor - was ist das?

Verständlicher gesagt - zittern, essentieller Tremor ist eine eigenständige Krankheit, bei der es den Aktions- und Haltetremor gibt. Das heißt, wenn ich die Hand nach vorn, oben, ... führe, oder sie eine kurze Zeit in einer Stellung halte, dann fängt sie an zu zittern, wird immer stärker, bis ich sie mit Hilfe der anderen Hand beruhige. Solange man nichts in der Hand trägt, geht es noch, wenn dann fast eine Tasse mit Kaffee runter fällt, erschrickt man dann doch schon.  Bei Übungen aus der Rückenschule muss man manchmal auch auf einer Stelle stehen bleiben. Da meldeten sich die Beine. Solange ich mich etwas hin und her bewegen konnte, hatte ich weniger Probleme.
 
Obwohl ich keinen Pinsel an einer Staffelei mit meiner rechten Hand ohne Zittereinlagen hätte führen können, begann ich zu diesem Zeitpunkt mit dem Malen.
Von nun an gehörte der Tremor immer mehr zu meinem Leben. Er ist therapieresistent - also musste ich lernen mich mit ihm anzufreunden. Betroffen waren neben beiden Beinen auch meine rechte Hand.

Trotzdem baute ich meine ersten Malversuche immer weiter aus und nahm auch an einem Fernkurs teil. Das war sehr anstrengend, außerdem war Disziplin sehr wichtig, um den eigenen "Fahrplan" einzuhalten.
Aber durch den Tremor strengte das Malen immer mehr an. Zuerst hatte ich in der freien Natur sehr gern Skizzen besonders von den schönen Dresden-Motiven oder Landschaften in Griechenland gemacht - diese dann zu Hause in Ruhe meist mit Aquarellfarbe fertig gemalt.
Leider ging das dann nicht mehr. 

So ging ich verstärkt mit dem Fotoapparat auf Motivsuche. Malen war nur möglich, wenn der Unterarm aufliegen konnte. Zu Hause konnte ich mir das ja in Ruhe einrichten. Um ein Bild fertig zu malen, brauchte ich einige Tage, aber auch um von weitem immer mal das Bild zu betrachten. So fand ich besser Bereiche, die mir noch nicht gefielen und besserte diese aus. Es dauerte immer länger, bis ein Bild fertig war. Da schaffte ich meistens nur die Aufgaben aus dem Fernkurs und ein Dresden-Motiv für die Weihnachtskarten.
Die letzten Bilder, die ich 2011 von Südtirol gemalt hatte, malte zwar die rechte Hand, die aber meist geführt wurde von der linken. Den Fernkurs konnte ich 2011 erfolgreich (1,7) abschließen.
Es wurde auch immer schwieriger, mit der rechten Hand problemlos ein Glas zum Mund zu führen. Da begann ich zu lernen-alles was mit Flüssigkeiten zu tun hatte- mit der linken Hand auszuführen.
Dieser Schritt und der Wille, selbständig alles im weiteren Leben zu erreichen, waren bestimmt die Grundlage dafür, dass ich nach meinem Sturz 2012 recht schnell mit der linken Hand nicht nur den Alltag bewältigen, sondern auch das Malen mit der ungeübten linken Hand fortführen konnte.


Erstellt im November 2012
 
 

 
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