Pflanze der Hoffnung


Die Pflanze der Hoffnung

  
Diese Bilderfolge ist nicht einfach eine Zusammenstellung von Zeichnungen zum Thema „Pflanze“. Sie ist eine kurze Geschichte über mein Leben in den letzten Jahren.
Meine Tochter schenkte mir eine Pflanze. Ich verspürte sofort die Lust diese zu malen. Sie wirkte auf mich einfach und doch stolz und schön.



 
Beim Malen spürte ich immer mehr, dass ich sehr verbunden mit dieser Pflanze bin. Es könnte mein Ziel sein, so zu werden wie diese für mich wunderschöne Pflanze, alles ausbalancieren zu können, stolz zu sein und dennoch einfach zu bleiben.
Was war geschehen?
Nach einem eigentlich recht harmlosen Sturz änderte sich mein Leben. Durch starke Schmerzen nach einer kurzen Belastung war es mir nur noch bedingt möglich, die Dinge zu tun, die mich vorher immer wieder stark gemacht hatten. Das tat weh, sehr weh. Um Keinem zur Last zu fallen, zog ich mich von allen Begegnungen zurück, die mit Belastung zu tun hatten. Die Kraft ließ immer mehr nach, die Schmerzen wurden vielseitiger. Die Traurigkeit nahm einen dominierenden Platz in meinem Leben ein. 
 
Meine Pflanze brach, versuchte sich zu schützen und sich vereinzelt festzuhalten. Es wurde dunkel um sie herum. Auf der Suche nach Hilfe fiel ein Samenkorn auf die wärmende Erde und es keimte Hoffnung.
Ich bekam die Chance, in der Schmerztagesklinik Möglichkeiten für die Bewältigung meiner inzwischen recht vielseitigen Probleme zu finden. Es war ein mühsamer Weg. Noch hatte ich viele Helfer an meiner Seite (Ärzte, Therapeuten und Gespräche mit den anderen Patienten). Ich wurde immer optimistischer, der Elan kam wieder. In dieser Zeit entwickelte sich in mir eine bisher verborgene kreative Seite:  ich fing an zu malen. 
 
Ich spürte, wie aus dem Samenkorn sich ein kleines Pflänzchen  entwickelte, das langsam anfing, den Kopf zu heben, nach vorn und oben zu schauen.


Aber nach der Tagesklinik hatte der Alltag wieder das Sagen. Der Wille war groß, all das Erarbeitete nun umzusetzen, aber allein. Es gab kurzzeitig Höhen aber auch viele plötzliche Tiefschläge. Besonders im letzten Jahren warfen mich die Diagnosen „Parkinson“ und nach Frakturen die Diagnose „Sudeck“ wieder zurück.  Erschöpfung und Resignation machten sich breit. Aber ich wollte dennoch nicht aufgeben. Wiederum haben mir Therapeuten zur Seite gestanden, um selbstbewusster, stabiler und kräftiger zu werden. Da meine rechte Hand sowohl vom Tremor als auch vom Sudeck betroffen ist, fing ich an mit der linken Hand zu malen.
  
Meine Pflanze ist inzwischen schon recht groß geworden, aber sie versteckt sich noch, muss sich weiterhin wehren. Ihr fehlt noch die Kraft, sich wieder voll zu entfalten.
 
Eines Tages wird sie sich unter anderen Bedingungen wieder aufrichten und ihre neue, volle Blüte zeigen.


Mit Hilfe der Malerei (inzwischen auch mit der linken Hand) habe ich eine Möglichkeit gefunden, mich von Problemen abzulenken, zu entspannen und Kraft zu schöpfen. Mit meinen Bildern fand ich Anerkennung, die sehr wichtig für mich ist. Ich konnte aber auch anderen viel Freude bereiten. So habe ich einen Weg gefunden, auch in schwierigen Zeiten das Schöne im Leben zu sehen.
 
Ingrid Jopp
Erstellt im November 2012
 
 

 
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